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3.12.2016

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Canto-Gruppen Deutschlandkarte Stand 2009-06-18

Für Singfreunde, die nur aus Spaß an der Freude gemeinsam mit anderen singen möchten, gibt es immer mehr  Canto-Gruppen.

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Canto-News

12.02.16 10:42

Video Waka waka - komm mit nach Afrika!

Freunde von uns haben einen neuen, schönen, tollen Video Clip mit dem Lied: "Waka...

12.01.16 11:09

Singen ist die beste Medizin

Beitrag im Deutschlandfunk: Singen - Die universelle Sprache der Menschheit

20.08.15 12:40

Offener Brief bzgl. Absage !SING DAY OF SONG

Offener Brief zur Weiterführung nach Absage !SING DAY OF SONG vom Juni 2015 durch die Ruhr...

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Zuletzt im Gästebuch

Mittwoch, 15-01-14 10:56

Sarah F.:

Meiner Vorschreiberin Susanne Kronstein möchte ich [...]

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Prof. Dr. Winfried Adelmann

Singen macht glücklich  

Über die Wiederentdeckung eines Lebenselixiers

Nena und Dr. Adamek singen mit Kindern

Zum dritten Mal findet an diesem Wochenende im Ruhrgebiet das größte Singfestival in Deutschland unter dem Titel !SING DAY OF SONG statt. Rund 1000 Chöre laden das Publikum auf Plätze und in Parks vor allem zum Mitsingen ein. Damit macht !SING DAY OF SONG auf etwas Wichtiges aufmerksam: Selber-Singen im Alltag ist für ein glückliches Leben wichtiger, als man früher glaubte. Dabei geht es vor allem um das einfache Singen jenseits von Leistungsansprüchen – spielerisch als Selbstzweck –, ob unter der Dusche, im Karneval, mit den eigenen Kindern, in der Familie oder mit Freunden. Und zwar jeder so, wie er es gerade kann und wie er Freude daran hat. Wissenschaftliche Studien bestätigen die Wichtigkeit solchen Singens.  Doch dieses wertvolle Potenzial des Menschen verkümmert in Deutschland immer mehr. Deshalb ermutige ich als Stimmwissenschaftler und Musikpädagoge dazu, das eigene Singen für sich zu entdecken und zu entfalten. Dafür gibt es viele gute Gründe. 


Ein Großereignis wie !SING DAY OF SONG wäre vor 20 Jahren kaum denkbar gewesen. Gemeinschaftliches Singen war bis auf wenige Ausnahmeregionen deutschlandweit eher verpönt, vor allem auch, weil es von den Nationalsozialisten stark missbraucht worden war. Viele misstrauten dem Selber-Singen, ohne zu wissen, woher dieses Unbehagen kam. Gemeinschaftliches Singen verschwand in Deutschland seit Mitte der 1960er-Jahre weitestgehend aus den Kindergärten, den Schulen, dem Familienalltag und der Gesellschaft. Nur in Nischen wurde es noch gepflegt. Viele Chöre in Deutschland beklagten einen Mitgliederschwund. Der Verfall der Alltagskultur des Singens setzte sich in den folgenden 30 Jahren fort.  

Erst Mitte der 1990er-Jahre begann ein langsamer, aber stetiger Wandel, hervorgerufen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Sozialwissenschaftler Dr. Karl Adamek  zeigte in seiner Forschungsarbeit „Singen als Lebenshilfe“ (1996): „Singen ist ein psychischer, physischer und sozialer Gesundheitserreger“. Wer das einfache Selber-Singen als alltägliche Gewohnheit pflegt, der ist im Durchschnitt körperlich und seelisch gesünder, fühlt sich glücklicher und kommt insgesamt mit seinem Leben besser klar als jemand, der nicht singt. Wer singt, kann seine Potenziale besser entfalten. Singen hilft, Stress besser zu bewältigen, baut Angst und Aggression ab und wirkt antidepressiv. Auch würden sich Kinder, die singen, auf allen Ebenen besser entwickeln als Kinder, die nicht singen. Dies zeigten Dr. Thomas Blank und Dr. Karl Adamek in der groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung „Singen in der Kindheit“ (2009). Solche Effekte sind dann besonders stark, wenn man beim Selber-Singen seine eigene Befindlichkeit spontan zum Ausdruck bringen kann. Heraussingen dürfen, was einem gerade auf der Seele liegt – frei von jeder Bewertung, kein gut oder schlecht, kein richtig oder falsch, kein zu hoch oder zu tief, kein zu laut oder zu leise.  


Der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther weiß zu berichten, dass Singen von der Kindheit bis ins Alter eine gesunde Funktionsweise des Gehirns fördert. Weitere Untersuchungen zeigten, dass beim Singen die Produktion des Glückshormons Serotonin im Gehirn angekurbelt wird. Auch das Bindungshormon Oxytocin wird beim Singen verstärkt produziert. Dieses Hormon brauchen wir, um Mitgefühl zu empfinden. Menschen, die singen, verhalten sich deshalb durchschnittlich auch sozial engagierter, und dies stärkt den solidarischen sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft.

Deshalb sind Investitionen in die Alltagskultur des Selber-Singens für die Gesellschaft lohnenswert, sie verbessern wesentlich die Stimmung hin zu mehr Lebensfreude und -qualität, man denke nur an das „Sommermärchen“ von 2006 mit den vielen Fangesängen.

All diese Erkenntnisse verbreiteten die Medien in den letzten Jahren. Gemeinsames Singen wurde immer populärer, Chöre bekamen wieder mehr Zulauf, und dieser Trend hält bis heute an. An vielen Orten entstanden Singprojekte, so zum Beispiel die Stiftung
Singen mit Kindern und das Projekt Canto elementar - Das Generationen verbindende Singpatenprogramm für Kitas. Die Devise: Bei den Kleinsten wieder anfangen, um eine neue Basis zu schaffen. Dort sind bundesweit mehr als 1700 Singpaten aktiv. Immer beliebter werden einfache Mitsingabende unter Titeln wie Kneipensingen, Rudelsingen oder Mitsingkonzert: Einfaches Singen erlebt eine Renaissance. 



Experteninterview mit Prof. Dr. Winfried Adelmann 

Nena in einer KiTa in NRW

Frage: Was würden Sie als Stimmexperte Sing-Anfängern raten?

Antwort:
 Viele möchten das Singen für sich entdecken und haben Angst, nicht singen zu können und etwas falsch zu machen, besonders in Bezug auf die Tonlage. Wenn Sie entspannt in den Tonbereichen singen, in denen Sie sich wohlfühlen, das heißt, ohne Druck, dann liegen Sie immer richtig. In dieser „Wohlfühlsituation“ entwickelt sich die Stimme dann wie von selbst.


Frage:
 Aber besonders Chorfachleute weisen darauf hin, dass man höher singen solle, weil das besser sei?

Antwort:
 Ja, das höhere Singen ist wichtig, wenn man über eine größere Distanz gehört werden will. Das ist für Chöre z.B. im Rahmen von Konzerten notwendig, aber nicht für den privaten Gebrauch im Freundes- oder Familienkreis. Höhere Töne tragen weiter, brauchen aber auch mehr Kraft. Grundsätzlich hat jeder Mensch natürlich das Potential, hoch zu singen, kann es aber nur durch Training entfalten. Wenn Sie in tieferen Lagen so laut singen wollen wie in höheren, dann können Sie tatsächlich Ihre Stimme beschädigen. Aber im privaten Kreis wird dieses laute Singen nicht gebraucht. Zudem gilt: Der einfache Sänger ohne fachliches Stimmtraining kann sich mit den hohen Lagen sogar Stimmprobleme einhandeln. 


Frage:
 Gilt das auch für Kinder? Da hört man doch immer wieder, dass nur hohes Singen gut für die Stimmentwicklung sei.

Antwort:
 Das kann man so sehen, wenn man Chorkinder ausbildet. Es ist aber falsch, wenn man an die Mehrheit der relativ ungeübten Kinder denkt. Und eigentlich sollte ja jeder sein Singen entfalten dürfen, vor allem, wenn man an die vielfältigen positiven Effekte denkt. Ungeübte Kinder sollten nicht zu tief, aber auch nicht zu hoch singen, sondern in der Mittellage und bevorzugt mit geringem Umfang von sechs bis acht Tönen. Wenn man zum Beispiel im Kindergarten oder in der Grundschule so hoch singt, wie es beim Chorsingen üblich ist, dann machen viele Kinder die negative Erfahrung, dass sie Halsschmerzen bekommen, weil sie selten singen und deshalb die hohe Spannung nicht vertragen. So verbinden sie Singen mit Schmerzen und verlieren den Spaß daran, oft für das ganze Leben. 


Frage:
 Also, vor allem entspannt singen?

Antwort:
 Die Spielfreude im Umgang mit der eigenen Stimme ist ebenso wichtig. Es gibt viel Erstaunliches zu entdecken, wenn man die verschiedenen Wirkungen des eigenen Stimmklangs auf das Wohlbefinden erkundet. Für die Mehrheit der Singenden besteht kein guter Grund, unbedingt hoch singen zu müssen. Auch die meisten Erzieherinnen, Eltern und Großeltern können in den hohen Lagen nicht gut mitsingen. Durch meine Forschungsergebnisse können sich also alle ermutigt fühlen, die das Singen entdecken möchten. Musikpädagogen haben schon in den 1980er-Jahren gewusst, dass Chöre in höheren Tonlagen singen als Ungeübte. Die neueren Gesangbücher geben diesen Erkenntnissen Recht, indem dort vieles bereits im Schnitt zwei bis vier Halbtöne tiefer notiert ist. Also darf man sich gern an das alte Sprichwort halten und „singen, wie einem der Schnabel gewachsen ist“. (Vielleicht als Singpate bei Canto elementar? Dann finden Sie über das Internet  Kontakt.) 


2006 wurde 
Prof. Dr. Winfried Adelmann zum nebenberuflichen Professor für Stimmwissenschaften, Methodik und Didaktik des Gesangs an die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg berufen. Er veröffentlichte 1999 eine maßgebliche wissenschaftliche Arbeit über die Möglichkeiten der Kinderstimme. Als Praktiker arbeitet er in vielen musikpädagogischen Bereichen mit der menschlichen Stimme.


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